《劉曉波的旅程》(*The Journey of Liu Xiaobo*)是一部匯集了這位偉大詩人和散文家作品的選集,我們的朋友天琪等人也參與了這個計畫。當劉曉波本應踏上前往奧斯陸領取諾貝爾和平獎的旅程時,這位「六四四君子」之一卻已因「煽動顛覆國家政權罪」被判處十一年徒刑。他於2008年12月定稿並準備發表《零八憲章》,卻在12月8日晚間遭到逮捕。正如1936年的卡爾·馮·奧西茨基(Carl von Ossietzky)或1975年的安德烈·薩哈羅夫(Andrei Sakharov)一樣,劉曉波未能獲准領獎,他的席位空置著。不過,當晚的王室晚宴讓我得以與國際筆會(International PEN)主席約翰·拉爾斯頓·索爾(John Ralston Saul)重逢——我們早在德國筆會擔任秘書長期間就因參加國際大會而相識。
後來,我就一次更敏感的行程與他和執行委員會的其他成員進行了溝通。在諮詢了歐洲兩三個筆會(PEN)總部之後,我當時正計劃前往北京。長話短說:這次行程最終未能成行,但我至今仍堅信,至少認真考慮過這項措施是正確的。當時,我與德國外交部建立了聯繫,並向幾位對華事務經驗豐富的高級外交官進行了諮詢。我得以通過外交部的線路,與時任德國駐華大使通了一次保密電話。他明確告訴我,我們甚至根本無法靠近錦州的監獄。儘管如此,他並未斷然勸阻這次行程。
當時的構想是與劉曉波的同情者及友人會面,至少給予他們一絲支持。這在我看來合情合理──但在國際筆會(PEN International)理事會眼中卻並非如此。歐洲的同事也拒絕參與。國際筆會原本設想的或許是一次由多位諾貝爾獎得主、或至少是極具聲望的作家組成的訪問團,但那些知名人士卻選擇了觀望。 2013年我將秘書長一職移交給雷古拉·文斯克(Regula Venske)後,其間又發生過幾次分歧;但最終,帶著呼籲信前往中國的並非國際筆會,而是德國總理。即便如此,此舉也未能奏效。劉曉波在瀋陽的一家醫院過世──那裡雖遠離他服刑的監獄,但他直到生命最後一刻仍處於嚴密看守之下。
My Failed Trips to China on Liu Xiaobo Matters
By Herbert Wiesner
„The journey of Liu Xiaobo“ heißt ein Sammelband zum Werk des großen Dichters und Essayisten, an dem u. a. unsere Freundin Tienchi mitgearbeitet hat. Als Liu Xiaobo eine reale Reise nach Oslo hätte antreten sollen, um dort den Friedensnobelpreis zu empfangen, war er, einer der vier Edlen des 4. Juni, bereits zu elf Jahren Haft wegen „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“ verurteilt. Er hatte im Dezember 2008 die Charta 08 publikationsreif gemacht und wurde am Abend des 8. Dezember verhaftet. Wie Carl von Ossietzky 1936 oder Andrei Sacharow 1975 durfte Liu Xiaobo den Preis nicht entgegennehmen. Sein Sessel blieb leer. Das abendliche Festmahl des Königshauses brachte mich immerhin mit John Ralston Saul, dem internationalen PEN-Präsidenten, zusammen, den ich – damals noch Generalsekretär von PEN Deutschland – bereits von unseren internationalen Kongressen her kannte.
An ihn und die übrigen Präsidiumsmitglieder habe ich mich später wegen einer sehr viel heikleren Reise gewandt. Ich plante nach Absprache mit zwei oder drei europäischen PEN-Präsidien eine Reise nach Peking. Um es vorweg zu nehmen: Diese Reise hat nie stattgefunden, aber ich bin noch heute überzeugt, dass es richtig war, über ein solches Unternehmen immerhin ernsthaft nachzudenken. Ich habe damals den Kontakt zum deutschen Auswärtigen Amt hergestellt und mich mit hochrangigen und China-erfahrenen Diplomaten beraten. Vom Ministerium aus konnte ich abhörsicher mit dem damaligen deutschen Botschafter in Peking telefonieren. Er machte mir klar, dass wir nicht einmal in die Nähe des Gefängnisses in Jinzhou kommen würden. Dennoch riet er nicht grundsätzlich von einer solchen Reise ab. Ihr Sinn hätte darin bestanden, mit Sympathisanten und Freunden Liu Xiaobos zu reden und ihnen den Hauch eines Rückhalts zu geben. Das leuchtete mir ein. Mir, jedoch nicht dem Vorstand von PEN International. Auch die europäischen Kollegen sagten ab. Der internationale PEN hatte wohl an eine Reise mehrerer Nobelpreisträger oder zumindest sehr prominenter AutorInnen gedacht, doch die Berühmtheiten hielten sich zurück. Es hat, als ich dann 2013 mein Amt als Generalsekretär an Regula Venske abgegeben hatte, noch ein paar Diskussionen gegeben, aber statt des PEN ist dann die deutsche Bundeskanzlerin mit einem Bittbrief im Gepäck nach China gereist. Geholfen hat auch dies nicht mehr. Liu Xiaobo ist fernab von seinem Gefängnis in einer Klinik in Shenyang gestorben, bewacht bis zum bitteren Ende. Wir sollten nicht nachlassen, um ihn zu trauern.

















